Unterforderung im Job – Boreout

Es ist ein bisher wenig diskutiertes Thema: Unterforderung im Job oder auch „Boreout“ genannt. Man macht seinen Job, hat aber noch zusätzliches Kontingent übrig. Doch wie äußert sich Unterforderung im Job eigentlich – ab wann ist man unterfordert – und was kann man dagegen tun?

Unterforderung im Job ist eher eine Ausnahme. Wir achten zwar auf eine Balance, auf Stress im Job und darauf, dass wir genügend trinken, eine ausreichende Produktivität haben. Doch unter all den Dingen wird oft eines Vergessen: Was, wenn es im Job „fad“ wird und man sich anstatt überfordert, unterfordert fühlt?

 

Wann bin ich unterfordert?

Ab wann genau man unterfordert ist kann natürlich nur jeder für sich selbst entscheiden. Bei vielen äußert es sich jedoch insofern, dass man alle Aufgaben im Schlaf erledigen kann und sich nicht mehr anstrengen muss – man macht immer nur Routinearbeiten. Doch ist es wirklich ratsam, wenn irgendwann ganz die Herausforderung im Beruf fehlt?

Was nach außen wie das Paradies auf Erden scheint, kann für die betroffene Person selbst aber auch die Hölle sein – auch wenn Außenstehende dies vielleicht nicht nachvollziehen können.

Unterforderung und Langeweile im Job können genauso belasten und an den eigenen Kräften zehren wie Überforderung und Dauerstress. Ähnlich sind dann auch die Folgen: Unzufriedenheit, Antriebslosigkeit, anhaltende Zweifel und die Frage, ob der aktuelle Job wirklich der richtige ist. In besonders dramatischen Fällen können sogar Depressionen auftreten.

Glücklicherweise muss es aber gar nicht erst so weit kommen, wenn Sie frühzeitig reagieren und sich nicht durch die Unterforderung einlullen lassen. Natürlich ist es verständlich, dass Sie sich am Anfang vielleicht sogar noch wohl dabei gefühlt haben. Weniger zu tun, Ruhe statt Hektik und Belastung. Für ein paar Tage mag das schön sein, doch sollte Unterforderung nie zu einem Dauerzustand werden.

Verfallen Sie nicht in den Irrglauben, dass die Unterforderung von alleine nachlassen wird. Untätigkeit bringt Sie nicht weiter. Es können viele Monate oder sogar Jahre vergehen, bis sich Ihre Aufgabenfelder so grundlegend ändern, dass der Job endlich wieder Spaß macht und Sie sich gefordert fühlen.

Wenn Sie die Unterforderung nicht länger ertragen und endlich etwas unternehmen wollen, können die folgenden Tipps hilfreich sein:

 

Suchen Sie das offene Gespräch

Unterforderung im Job wird oftmals verheimlicht. Statt dazu zu stehen, versuchen Arbeitnehmer es zu vertuschen, um beim Chef nicht den falschen Eindruck zu machen. Ein großer Fehler, denn damit setzen Sie sich selbst noch mehr unter Druck und machen die Situation zusätzlich schwierig. Sobald Sie merken, dass Sie unterfordert sind, sollten Sie deshalb das Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen.

Nur wenn Ihr Chef weiß, dass Sie sich größere Verantwortung oder mehr Herausforderungen im Job wünschen, kann er darauf eingehen. Machen Sie deshalb nicht nur deutlich, dass Sie unterfordert sind, sondern versuchen Sie auch gleich eine gemeinsame Lösung zu finden, die im Anschluss an das Gespräch umgesetzt werden kann.

 

Analysieren Sie die Ursachen

So individuell Unterforderung im Job wahrgenommen wird, so individuell können auch die Ursachen sein. Doch erst wenn Sie die Gründe für Ihre Unterforderung verstehen, können Sie das Problem auch wirklich an der Wurzel packen und eine Verbesserung erzielen. Analysieren Sie, was genau Sie an Ihrem Job langweilt, wo Sie sich etwas anderes wünschen würden und wie die Veränderung aussehen könnte.

Wichtig ist dabei vor allem die Unterscheidung zwischen quantitativer und qualitativer Unterforderung (auch geistige Unterforderung genannt). Anders ausgedrückt: Haben Sie schlichtweg nicht genügend Aufgaben, weil Sie zu schnell fertig sind? Oder sind es die Aufgaben an sich, die nicht genügend Anreize bieten und Ihrer Ansicht nach einfach so leicht sind, dass Sie sofort in den Autopilot schalten?

 

Schaffen Sie sich Erfolgserlebnisse

Neben purer Langeweile entsteht ein Gefühl der Unterforderung im Job oftmals auch dadurch, dass Sie das Gefühl haben, nicht wirklich etwas beizutragen und einen Anteil am Ergebnis zu haben. Obendrein geht das Lob auch noch an einen Kollegen, obwohl Sie sicher sind, dass Sie es besser gemacht hätten – wenn Ihnen nur die Chance dazu gegeben worden wäre.

Hilfreich kann es sein, wenn Sie sich Erfolgserlebnisse schaffen und sich so bewusst machen, dass Sie ein wichtiger Teil des Teams sind und einen entscheidenden Beitrag zum gemeinsamen Erfolg leisten. Dies kann beispielsweise gelingen, indem Sie sich immer wieder kleine Ziele setzen. Aber auch ein Verständnis für das Gesamtbild des Unternehmens ist wichtig. So sehen Sie genau, wie sich Ihre Arbeit auswirkt.

 

Wechseln Sie den Arbeitgeber

In letzter Konsequenz bleibt Ihnen kaum etwas anderes übrig und manchmal ist es der einzige Weg, um aus der Unterforderung zu entkommen. Bietet Ihr aktueller Arbeitgeber Ihnen keine Möglichkeiten mehr und Sie sehen nicht die Chance, dass es sich in naher Zukunft ändert, ist der Sprung zu einem anderen Arbeitgeber der beste Weg, um endlich Ihr volles Potenzial zu nutzen.

Achten Sie von Anfang an darauf, im neuen Job nicht in eine ähnliche Situation zu geraten. Das lässt sich zwar im Vorfeld nie garantieren, doch indem Sie bei der Tätigkeitsbeschreibung und im Vorstellungsgespräch sehr aufmerksam sind, erhalten Sie bereits einen ziemlich guten Eindruck, welchen Aufgaben Sie zukünftig gegenüber stehen.

Bei Unterforderung oder Nichtauslastung liegt das Problem häufig darin, dass es nicht angesprochen wird und die Gründe für die Unzufriedenheit nicht thematisiert werden. Die Furcht davor, dass der eigene Arbeitsplatz einsparbar erscheint und man den Job verliert ist oftmals zu groß. Wichtig ist es hier klar zu differenzieren: Die Betroffenen sind in der Regel nicht faul, sondern wurden in der Vergangenheit zu oft ausgebremst und sind daher unterfordert.