Flexible Arbeitszeiten – vom Modell zur Umsetzung

Flexible Arbeitszeiten – vom Modell zur Umsetzung

Immer mehr Arbeitnehmer wünschen sich flexible Arbeitszeiten. Sei es an manchen Tagen früher Feierabend zu machen, einen Tag in der Woche im Home-Office zu verbringen oder sich einfach die Arbeitszeit frei einteilen zu können: Neue Arbeitszeitmodelle sind definitiv im Vormarsch. Doch warum wehren sich Unternehmen trotz der großen Zustimmung der Mitarbeiter immer noch dagegen? Warum haben wir heute überhaupt mehr denn je den Drang, sich seine Zeit frei einzuteilen?

Fakt ist: mit der Digitalisierung hat sich auch die Art des Arbeitens verändert. Eine Mail wird einem Brief vorgezogen, Meetings und Schulungen werden mittels Skype oder eines Webinars abgehalten und die gute alte Telefonanlage wurde in vielen Büros bereits durch moderne Smartphones ersetzt. Kein Wunder, dass sich mit diesem Wandel auch die Bedürfnisse und Wünsche der Mitarbeiter verändern und der typische 8-Stunden-Bürojob ein Auslaufmodell ist.

Warum wollen Arbeitnehmer flexible Arbeitszeiteinteilung?

Dies liegt unter anderem auch daran, dass in vielen Bereichen gar keine Anwesenheit mehr im Büro notwendig wäre. Recherchen im Internet kann man schließlich ebenso von zu Hause aus erledigen. Gerade deswegen sehnen sich viele Arbeitnehmer nach Optionen der flexiblen Arbeitszeiteinteilung oder einer Möglichkeit zum Home Office. Lästiges und stundenlanges pendeln würde so wegfallen, was selbstverständlich eine Entlastung der Mitarbeiter bedeutet.

Doch den Arbeitnehmern geht es schon längst nicht mehr darum, nicht mehr Büro seine Arbeitszeit zu verbringen. Vielmehr geht der Trend mittlerweile in Richtung persönliche Freiheit und das Recht, Entscheidungen selbst zu treffen. Mitarbeiter von heute möchten mitentscheiden, wann und wo sie arbeiten und sich nicht an strikte Vorgaben halten. In diesem Zusammenhang spielt auch die oft diskutierte Work-Life-Balance eine Rolle. Vor allem Eltern wünschen sich oft mehr Zeit mit Ihren Kindern und müssen noch in vielen Unternehmen darum kämpfen, eine Stunde früher Schluss zu machen. In vielen Unternehmen wird solch ein Modell bereits eingesetzt, in der Mehrheit der Unternehmen hat die Anwesenheit im Office jedoch immer noch höchste Priorität und gehört nach wie vor zum Arbeitsalltag.

Warum wird dem Trend der flexiblen Arbeitszeit nicht nachgegangen?

So schön die Vorstellung eines flexiblen Arbeitsplatzes auch ist, so muss man sich auch vor Augen führen, dass es auch Jobs gibt, in denen ganz einfach Anwesenheit unerlässlich ist wie z.B. bei einem Job am Empfang. Das Modell ist also nicht für jede Branche und jeden Beruf geeignet und auch nicht für jeden Arbeitnehmer.

Auch bringt eine freie Einteilung der Arbeitszeit nicht nur Vorteile mit sich. Es kann durchaus vorkommen, dass keine klare Trennung von Job und Privatleben mehr geschieht und man im Home Office zwischen dem Aufhängen der Wäsche und dem Sortieren der Socken, mal eben mit dem Kunden telefoniert. Das Risiko, dass das Berufliche die überhandnimmt, steigt somit.

Was kann man tun um den schmalen Grad trotzdem zu meistern?

Möglichkeiten zur Flexibilisierung gibt es mittlerweile zu Hauf. Arbeitszeitkonten, Gleitzeit, Arbeit auf Vertrauensbasis sind nur einige Beispiele. Doch das beste Modell wirkt nicht, wenn es nicht vernünftig umgesetzt wird. Viel hängt also auch von der Ausgestaltung ab. Wenn ein Zeitrahmen vorgeben ist, wie etwa bei der Gleitzeit, funktioniert die Gestaltung meist sehr gut. Werden dagegen Bonuszahlungen für das Erreichen bestimmter Ziele gezahlt oder gibt es keine Arbeitszeitgrenze, ist das Risiko für Überstunden besonders hoch. Deshalb ist eine tägliche Arbeitszeitnorm auch bei aller Freiheiten immer noch wichtig.

Hier müssen dann vor allem die Vorgesetzten Rücksicht nehmen und bestenfalls die Arbeitszeiten auch kontrollieren. Führungskräfte müssen vor allem auch verstärkt darauf achten, dass sich die Beschäftigen nicht selbst ausbeuten.

Fazit: Neue Arbeitszeitmodelle sind gerne willkommen, jedoch innerhalb eines gewissen Maßes und auch mit einigen Bedingungen. Denn nur so zahlt sich eine solche Option auch aus und ist vor allem langfristig wirksam.